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Klassische Rallye Andorra

von Frank | 25 August 2014 | News | 0 Kommentare

Eine Band mit zwei Gesichtern

Nur wenige Unternehmen haben den Autoreifen so tiefgreifend beeinflusst wie Michelin. Gegründet 1889 von den Brüdern Édouard und André Michelin in Clermont-Ferrand, ist das Unternehmen für einige der revolutionärsten Durchbrüche in der Reifengeschichte verantwortlich: den abnehmbaren Luftreifen im Jahr 1891, den ersten Radialreifen im Jahr 1946 und – weniger bekannt, aber ebenso wichtig – den weltweit ersten asymmetrischen Reifen im Jahr 1965.

Die neueste Innovation heißt Michelin XAS. Und wer heute einen Sportwagen mit Pilot Sport, Pirelli P Zero oder Bridgestone Potenza kauft, fährt nach einem Prinzip, das vor sechzig Jahren in einem französischen Labor entwickelt wurde.

Das Problem, das das XAS lösen musste

Mitte der 1960er-Jahre wurden Sportwagen schneller, Kurven enger und die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen höher. Ein herkömmlicher symmetrischer Reifen – der auf beiden Seiten identisch aussieht und in jeder Richtung montiert werden kann – konnte da nicht mehr mithalten. Er war ein Kompromiss: in allem einigermaßen gut, aber in nichts wirklich exzellent.

Das grundlegende Problem besteht darin, dass die Innen- und Außenseite eines Reifens während der Fahrt völlig unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt sind. Die Innenseite muss Wasser ableiten. Die Außenseite muss in Kurven Grip und auf trockener Fahrbahn Stabilität bieten. Ist das Profil jedoch auf beiden Seiten identisch, kann der Reifen immer nur eine Aufgabe optimal erfüllen. Alles andere ist ein Kompromiss.

Michelin zog daraus den logischen Schluss: Wenn die Bedingungen auf beiden Seiten des Reifens unterschiedlich sind, müssen sich auch die Laufflächen unterscheiden.

Die Lösung – ein Band, zwei Aufgaben

Der Michelin XAS führte ein Profil mit klarer Innen- und Außenseite ein – der Name auf der Seitenwand gibt an, wie der Reifen montiert werden soll, eine absolute Premiere in der Reifentechnologie.

Die Außenseite des Reifens verfügt über kleinere, steifere Profilblöcke, die eine größere Kontaktfläche zur Straße schaffen. Das Ergebnis: mehr Grip in Kurven auf trockener Fahrbahn und geringere Fahrgeräusche auf der Autobahn. Die Innenseite besitzt größere Profilrillen und tiefere Rillen, die Wasser schnell von der Aufstandsfläche ableiten. Das Ergebnis: bessere Aquaplaning-Resistenz auf nasser Fahrbahn.

Zwei Hälften. Zwei Aufgaben. Eine Band. Es klingt einfach – aber niemand war vorher darauf gekommen.

Die Autos, die den XAS groß gemacht haben

Ein revolutionärer Reifen braucht revolutionäre Autos, um sein Potenzial zu beweisen. Der Michelin XAS hat sie bekommen. In den 1960er-Jahren waren der Porsche 911, 912 und 914 serienmäßig mit dem XAS ausgestattet – eine bewusste Entscheidung von Porsche, da kein anderer Reifen die Fahrdynamik des heckmotorgetriebenen 911 so gut bewältigen konnte. Auch der Citroën DS – das Auto, das Unkonventionalität salonfähig machte – setzte auf den XAS.

Lancia, Austin-Healey, Lotus, Aston Martin, Peugeot, Alfa Romeo und Renault folgten. Der XAS erhielt einen V-Geschwindigkeitsindex und erreichte Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 240 km/h – eine beeindruckende Leistung für einen Serienreifen im Jahr 1965.

Citroen DS 21Citroën und andere Hersteller setzten beim DS schon früh auf den Michelin XAS-Reifen.

Das Erbe

Der XAS-Reifen selbst wird schon lange nicht mehr produziert. Sein Prinzip ist aber allgegenwärtig. Nahezu jeder moderne Hochleistungsreifen – vom Michelin Pilot Sport Cup 2 bis zum Pirelli Trofeo R – verwendet das asymmetrische Profil, das Michelin erstmals 1965 einsetzte.

Was als Lösung für den Porsche-911-Fahrer begann, der Kurven zu eng nahm, hat sich zum Standard für alle Sportreifen auf dem Markt entwickelt. Sechs Jahrzehnte später, in einem Reifensegment, das wettbewerbsintensiver denn je ist, bildet das XAS-Prinzip immer noch das Fundament, auf dem jeder Hersteller aufbaut.

Der Michelin XAS hat nicht nur den Reifen verändert – er hat die Denkweise der Ingenieure in Bezug auf Grip, Wasser und Straße grundlegend verändert. Das ist die Definition von revolutionär.


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